Langspielplatten - LPs

Sein Werk »Smoke on the Water« überzeugte die Jury auf Anhieb. Die großformatige Fotografie zeigt die Rillen einer Schallplatte, was sich nicht sofort erschließt und eher an Wellen erinnert. »Normalerweise sieht man nur eine schwarze Scheibe«, erklärte Bartenschlager, dass er dabei versucht habe, die legendäre Geschichte hineinzuinterpretieren, die um die Aufnahme des Stückes von Deep Purple rankt. Die Begründung der Jury hebt unter anderem hervor, dass »die Emotion der Abbildung in den Unebenheiten des Dargestellten begründet liegt. Die Platte wurde oft abgespielt, abgenutzt. Die Aufnahme zeigt, wie Nadel und Staub in einem bildnerischen Vorgang aktiv sind.« Eine Begründung, die Kiechle für eine weitere Assoziation aufgriff: »Das Rauschen macht die Platte«, denn »das Leben ist nicht perfekt, gerade diese Furchen machen es aus.« Bartenschlager ist seit 1992 als selbstständiger Fotodesigner in der Werbefotografie tätig und hat Fotodesign an der Adolf LAZI Akademie in Esslingen studiert. Seine Arbeiten wurden bereits in etlichen Büchern, Zeitschriften und Museen veröffentlicht.

Die Entscheidung, ein fotografisches Kunstwerk zu schaffen, das sich einer Langspielplatte widmet und dabei ausgerechnet meinem Lieblingssong „Smoke on the Water“ – entstand nicht aus einem spontanen Impuls, sondern aus einem lange gereiften Gedanken. Schon seit geraumer Zeit faszinierte mich die Idee, Musik visuell erlebbar zu machen. Als meine Frau schließlich den Termin für den Kunstpreis der Stadt Kempten entdeckte und mir sagte, dass nur noch zwei Wochen bis zur Abgabe blieben, gab es plötzlich kein Zurück mehr. Von diesem Moment an ließ mich der Gedanke nicht mehr los. Ich sollte teilnehmen, unbedingt – und ich wollte es auch.

Es folgten schlaflose Nächte, in denen ich mich intensiv mit der Frage auseinandersetzte, wie sich Musik in ein Bild übersetzen lässt. Schnell wurde mir klar, dass eine Schallplatte weit mehr ist als nur ein Symbol für Klang. Sie ist zugleich Speichermedium, Zeitdokument und physisches Abbild von Musik. Diese Verbindung machte sie für mich zum perfekten Ausgangspunkt.

Doch die eigentliche Herausforderung begann erst im Fotostudio: Wie bringt man ausreichend Licht auf eine schwarze, spiegelnde Oberfläche, um im Makrobereich ein ausdrucksstarkes Bild zu erzeugen? Zahlreiche Versuche scheiterten, viele weitere Nächte vergingen. Erst durch komplexe Blitzaufbauten und den gezielten Einsatz von speziellen Objektiven gelang es mir schließlich, die feinen Rillen der Platte sichtbar zu machen und ihre Struktur zum Leben zu erwecken.

Während die Zeit immer knapper wurde, musste auch die finale Präsentation entschieden werden. Mir war schnell klar, dass das Werk eine Größe braucht, die dem Song gerecht wird. Eine Höhe von über zwei Metern erschien mir notwendig, um die Details der Rillen erfahrbar zu machen und die visuelle Kraft des Motivs voll zur Geltung zu bringen. Nach der fotografischen Umsetzung folgten die Entwicklung und die Kaschierung auf Aludibond – ein letzter, entscheidender Schritt auf dem Weg zur Fertigstellung.

Besonders faszinierend war für mich während der Recherche die Entstehungsgeschichte des Songs selbst: Auch hier spielte Zeitdruck eine entscheidende Rolle. Die Band hatte nur wenige Nächte für die Aufnahme, arbeitete mit geliehenem Equipment – und wurde schließlich Zeuge eines nächtlichen Brandes auf der anderen Seite des Genfer Sees, dessen Rauch über das Wasser zog. Dieses Bild prägte nicht nur den Titel, sondern verlieh dem Song seine unverwechselbare Atmosphäre.

Als ich mein Werk schließlich einreichte, war ich einfach froh, es rechtzeitig geschafft zu haben. Die Nachricht der Jury, dass mein Beitrag angenommen wurde, war bereits eine große Freude. Dass dieses Werk schließlich mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichnet wurde, kam für mich völlig überraschend – und machte diese intensive, fordernde und zugleich inspirierende Zeit zu einem unvergesslichen Erlebnis.