Streifenbilder "Stripes"

Nahezu zeitgleich mit Gerhard Richter entwickelte ich meine Streifenbilder als Fotokunstwerke. Doch während Richter abstrakte Bilder in Farblinien auflöste und ihre innere Struktur freilegte, nahm meine Arbeit ihren Ausgang in der realen Natur.

Der entscheidende Moment entstand bei einem Überflug der Allgäuer Alpen in genau 3000 Metern Höhe. Aus dieser Distanz verlor die Landschaft ihre gewohnte Gestalt. Täler, Berge und Hügel verschwanden beinahe aus der Wahrnehmung. Stattdessen blieb etwas anderes zurück: ein leiser, aber intensiver Eindruck von Farbe.

Nicht die Formen der Landschaft prägten sich mir ein, sondern ihre Farbstimmen. Das tiefe Blau des Wassers, die vielen Grüntöne der Wiesen, dazwischen das flüchtige Aufleuchten der Blumen – kleine, leuchtende Farbtupfer im großen Gewebe der Natur. Aus der Höhe erschien die Welt wie ein farbiger Atem, ein rhythmisches Band aus Licht und Erde.

Aus dieser Erinnerung heraus entstanden meine Streifenbilder. Sie sind keine Abstraktion der Malerei, sondern eine Verdichtung von Landschaft – ein Versuch, die Farben der Natur so zu ordnen, wie sie sich im Gedächtnis festsetzen: als horizontale Ströme von Farbe, als ruhige, atmende Linien. In ihnen bleibt die Landschaft nicht als Form bestehen, sondern als Erinnerung an ihr Farbgedicht.